Komfort und Datensicherheit für E-Health sind vereinbar

E-Health

Veröffentlicht 21.05.2021 08:40, kiw

E-Health - Angebote wie die elektronische Patientenakte oder das E-Rezept basieren auf Freiwilligkeit. Ihre Akzeptanz hängt maßgeblich von Vertrauenswürdigkeit und Komfort ab.  Digitale Datenschutz- und Sicherheitsvorkehrungen sind also zentral, müssen aber zugleich hohen Komfort und Performance bieten.  Diese scheinbaren Widersprüche sind vereinbar.

Wie in vielen anderen Gesellschaftsbereichen hat Corona auch im Gesundheitswesen die Digitalisierung weiter beschleunigt. Einer McKinsey-Umfrage vom August 2020 zufolge stehen über zwei Drittel der Deutschen der Nutzung digitaler Gesundheitsangebote aufgeschlossener gegenüber als vor der Pandemie. Jeder Dritte hat schon einmal einen Arzttermin online gebucht und zwei Drittel begrüßen die Einführung neuer digitaler Angebote wie die elektronische Patientenakte (ePA) oder das elektronische Rezept (E-Rezept), das ab 1. Juli 2021 verfügbar sein soll.

Grundvoraussetzung für ihre Akzeptanz und ihren Erfolg ist daher, dass sie einen echten Mehrwert bieten – sowohl für PatientInnen als auch für Leistungserbringer. Hier geht es vor allem um Effizienz- und Qualitätssteigerungen: Jederzeit abrufbare Gesundheitsdaten ermöglichen eine zügigere, effektivere Versorgung und gezieltere Forschung. Konkret beugen sie etwa überflüssigen Mehrfachuntersuchungen vor oder erleichtern die Medikation in Notfallsituationen.

PatientInnen erwarten hohen   Komfort und Verfügbarkeit

Komfort und Performance spielen bei E-Health-Lösungen eine zentrale Rolle:  NutzerInnen wollen schnelle und stabile Anwendungen, die ihnen den Alltag erleichtern.  Mangelnder Komfort sowie Störungen oder Ausfälle sorgen schnell für Frust und kosten Vertrauen.

Das hat sich beispielsweise bei den eilig aufgebauten Portalen zur Terminvergabe für die Corona-Impfung gezeigt, von denen einige unter dem enormen Andrang vorübergehend zusammenbrachen. Solche kritischen Dienste müssen flexibel skalierbar und gegen Überlastung geschützt sein.

Vertrauen durch IT-Sicherheit und Datenschutz

Komfort und Performance allein werden E-Health-Lösungen aber nicht zum breiten Durchbruch verhelfen. Ein hohes Datenschutz- und Sicherheitsniveau ist ein absolutes Muss. Laut der Studie „Datapuls 2021“ zur Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgen sich knapp 40 Prozent der Deutschen um die Datensicherheit von E-Health-Lösungen. Hier ist also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Das notwendige Vertrauen entsteht durch Transparenz und bestmögliche IT-Sicherheit. Der Schutz sensibler Patientendaten erfordert Sicherheitsmaßnahmen nach dem Stand der Technik sowie Krisen- und Notfallpläne für etwaige IT-Sicherheitsvorfälle.

Cybervorfälle im Gesundheitssektor an der Tagesordnung

Dem aktuellen Allianz Risk Barometer zufolge stellen Cybervorfälle das größte Risiko im Gesundheitssektor dar, zusammen mit pandemischen Ausbrüchen. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Zahl politisch oder kriminell motivierter Cyberangriffe auf den Gesundheitssektor deutlich erhöht, wie Mitigationsdaten von Myra Security und Berichte von Interpol, dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) belegen.

Komfort und Datensicherheit – ein Widerspruch?

Trotz der konstanten Cyberbedrohung wird Datenschutz in der digitalen Innovation oft als Hemmnis empfunden. Wer Komfort über Datenschutz stellt, muss jedoch mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Mitte März 2021 sorgten Sicherheitslücken in einer Dienstleister-Software für Corona-Testzentren für Schlagzeilen. 136.000 Testergebnisse waren öffentlich im Internet abrufbar – inklusive persönlicher Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum, Staatsbürgerschaft und Ausweisnummer.

Für Betroffene kann das Bekanntwerden von Gesundheitsdaten weitreichende negative Folgen im sozialen und beruflichen Umfeld haben. Im schlimmsten Fall gefährdet unzureichende Datensicherheit sogar Leben, zum Beispiel wenn infolge eines Cybervorfalls kritische Gesundheitsdaten in Notsituationen nicht sofort verfügbar sind oder böswillig manipuliert wurden.

Solche Vorfälle schädigen das Vertrauen in E-Health-Lösungen nachhaltig. Außerdem drohen bei Datenschutzverletzungen hohe Strafzahlungen. Für Vergehen sieht die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro beziehungsweise vier Prozent des weltweit erzielten Jahresumsatzes vor – je nachdem, welche Summe höher ausfällt.

Die Chance:  Datenschutz und Komfort verbinden

Für Gesundheitsdaten und somit auch E-Health-Lösungen gelten besonders hohe Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit. Viele Unternehmen im Gesundheitssektor tun sich schwer, die immer anspruchsvolleren Auflagen umzusetzen. Hier liegt die große Chance: Komfort mit zertifizierter Datensicherheit zu verbinden, wird maßgeblich zur Vertrauensbildung bei E-Health beitragen.

Entgegen der geläufigen Meinung sind Datenschutz und Sicherheit sehr wohl zu Performance und Komfort kompatibel. Allerdings erfordert dies Expertise und Ressourcen, die eher bei Spezialdienstleistern zu finden sind. Im Markt sieht man daher einen eindeutigen Trend hin zu solchen Managed Service Providern. Die hier investierten Ressourcen zahlen sich mehrfach in breiterer Akzeptanz für E-Health-Lösungen und internen Ressourceneinsparungen aus.

Im Idealfall liefert der Provider ein Gesamtpaket, das zertifizierte Datensicherheit mit höchster Performance sowie minimalem Aufwand für Implementierung und Betrieb verbindet. So gehen Sicherheit, Datenschutz, Performance und Komfort Hand in Hand.

Autor: Ingo Lalla, Myra Security


Foto: Adobe Stock / NIKCOA


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