KHZG-Projektmanagement – ein DevOps Ansatz für die Herausforderungen der digitalen Transformation

KHZG

Veröffentlicht 27.07.2021 09:30, Kim Wehrs

Das KHZG ist ein wesentlicher Treiber für die Digitalisierung von Krankenhäusern in Deutschland. Mit den 11 Fördermodulen und einem Fördervolumen von 4,3 Mrd. EUR wird eine ganzheitliche digitale Transformation im deutschen Krankenhaussektor verfolgt. Diese Chance stellt Krankenhäuser aber auch vor große Herausforderungen, insbesondere im Bereich des Projektmanagements für die Erfüllung des KHZG. Der Druck für die digitale Transformation von Krankenhäusern wird dadurch verstärkt, dass die Planung vorsieht, ab dem 01.01.2025 hohe Strafen zu verhängen, wenn Krankenhäuser keine digitalen Dienste anbieten können. Von Dr. Nhiem Lu, Dortmund

Für die Krankenhaus-Unternehmensstrategie bedeutet dies, dass entlang der drei Dimensionen (Prozesse, Technologie und Menschen) entschieden werden muss, für welche der 11 Fördermodule Gelder beantragt und Projekte durchgeführt werden. Hierbei muss sichergestellt werden, dass bestehende Prozesse und die technische Infrastruktur, den neuen Anforderungen gerecht werden kann und dass entsprechende Change-Management und Empowerment Aktivitäten geplant sind, um Mitarbeiter und Patienten durch die digitale Transformation zu führen. In der Vergangenheit wurden große Digitalisierungsprojekte zeitversetzt gestartet, durch das KHZG müssen nun in allen Krankenhäusern in kürzester Zeit mehrere große Digitalisierungsprojekte zeitgleich umgesetzt werden. Hierbei spielt insbesondere der bestehende Ressourcenengpass bei Krankenhaus-Mitarbeitern eine wichtige Rolle, welche essentiell für die Umsetzung der Projekte und die Einführung, Betrieb und Wartung von neuen Systemen sind.

Für die erfolgreiche Umsetzung des KHZGs müssen die Synergien zwischen Krankenhausführung und IT-Management effizient genutzt werden, dies wird um so wichtiger, wenn es sich um mehrere Krankenhäuser im Verbund handelt, da sich die Komplexität aber auch die möglichen Synergien potenzieren. Krankenhausführung und IT-Management müssen gemeinsam eine KHZG-Roadmap planen und ausführen, sollten aber dabei auch jederzeit bereit sein, diese Roadmap agil und flexibel anzupassen. Im Rahmen der Investitionen sollte vor allem sichergestellt werden, dass die neuen digitalen Lösungen auch durch entsprechende technische und medizinische Fachkräfte nachhaltig und langfristig betreut werden können.

Das KHZG stellt Krankenhäuser vor die Herausforderung, dass in einem kurzen Zeitraum sehr viele Digitalisierungsprojekte zu gleich angegangen werden müssen, was insbesondere zu einem Mitarbeiterengpass bei den Krankenhäusern führt, welche oftmals schon knapp besetzt sind. Multiprojekt-Problematik für Krankenhäuser Krankenhäuser haben hierdurch mit einer Multiprojekt-Problematik zu kämpfen, welche noch durch mehrere Krankenhäuser in Verbünden erschwert wird. Für eine effiziente KHZG-Projekgruppe ließe sich ein DevOps-Ansatz umsetzen, der erfolgreich in der agilen Softwareentwicklung eingesetzt wird, um crossfunktionale und interdisziplinäre Teams aufzubauen, die aus Developern, Q&A Quality Assurance und Operations bestehen. In vielen Fällen wird hierbei die Developer-Rolle durch interne (aber auch externe) IntegratorenRollen ersetzt, da es in vielen Projekten, um die Einführung neuer Systeme geht und nicht um die Entwicklung. Dennoch kann dieser Ansatz zahlreiche Vorteile für die Krankenhäuser bieten. DevOps-Teams können für die unterschiedlichen Fördermodule eingesetzt werden und selektierte Mitglieder bilden für die gesamte KHZG-Projektgruppe das Kernteam, welches sich mit der Krankenhausführung und dem IT-Management gemeinsam im Fokus eines Programm-Management kontinuierlich austauscht.

Die Integration von digitalen Lösungen in neue, optimierte Krankenhaus-Prozesse fordert eine höhere digitale Affinität und ausgeprägte digitale Fähigkeiten von den Krankenhausmitarbeitern. Insbesondere die IT-Abteilung wird einen hohen Mehraufwand an Tätigkeiten haben, da die Anzahl an Systemen und Aktivitäten in den Bereichen Betrieb, Support und Wartung signifikant steigen wird. Im Gegensatz zu Digitalisierungsbestrebungen in der Vergangenheit betrifft es im Moment nicht nur punktuell ein Krankenhaus. Durch das KHZG wird eine Bewegung forciert, Krankenhäuser in ganz Deutschland im gleichen Zeitraum digital zu transformieren. Um die Wettbewerbsfähigkeit von Krankenhäusern zu erhöhen, würde die Einführung einer zentralen KHZG-Plattform Sinn machen. Damit ließen sich Synergien zwischen Krankenhäusern optimal nutzen. So eine Plattform könnte durch die Krankenhäuser mit Daten gespeist werden, um Funktionen wie Expertenpool, Best Practice Ansätze, FAQs, Fördermanagement, digitale Reifegrad Messung und Lieferanten Empfehlungen umzusetzen.

Durch diesen zentralen Wissens- und Erfahrungsaustausch könnten auch Fallstricke in der Umsetzung und dem Projektmanagement der KHZG-Bestrebungen vermieden werden. Ob sich Krankenhäuser darauf einlassen, ist abzuwarten, die möglichen Potentiale und Synergien existieren auf jeden Fall. Das KHZG wird viele digitale Veränderungen in die Krankenhäuser bringen, so dass es nur zu hoffen bleibt, dass neben all der Arbeit an Prozessen und Technik das Change Management und Empowerment von Mitarbeitern und Patienten nicht untergeht. Bei all den Bestrebungen in der Digitalisierung, darf man nie vergessen, worum es hauptsächlich geht, um den Menschen.


Autor: Dr. Nhiem Lu, geschäftsführender Gesellschafter DeVisIT Consulting & Solutions GmbH, Vertretungsprofessor Informatik, Digitale Transformation an der Fachhochschule Dortmund

Quelle: Krankenhaus-IT Journal, Ausgabe 03/2021
Foto: Adobe Stock / WrightStudio


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