Verspielte Zukunft? Warum Deutschlands Kliniken jetzt investieren müssten, es aber nicht können

Studie

Veröffentlicht 08.11.2021 07:40, Kim Wehrs

IT und Nachhaltigkeit: wenig Spielraum bei Zukunftsthemen - es ist nicht so, dass die deutschen Krankenhäuser die großen Zukunftsthemen nicht erkannt hätten. Es fehlt ihnen nur am Spielraum, sie auch anzugehen. Das zeigt sich besonders beim Thema Nachhaltigkeit. Von den Krankenhäusern dürfte in diesem Bereich in Zukunft ein stärkerer Beitrag erwartet werden. Nicht zuletzt, weil die Emissionen des Gesundheitssektors bisher vielerorts unterschätzt wurden. Insofern ist es zunächst eine gute Nachricht, dass sich die befragten Kliniken dieser Herausforderung stellen wollen. Kernpunkte der Roland Berger Krankenhausstudie 2021.

Natürlich kämpft die Krankenhauslandschaft seit geraumer Zeit mit einem äußerst schwierigen Marktumfeld. Die Covid-19-Krise hat die bestehenden Probleme aber deutlich verschärft und tiefe Löcher in die Bilanzen der Kliniken gerissen. Die Umsätze sinken, immer mehr Häuser rutschen in die Verlustzone ab. Aber damit nicht genug: Die überwältigende Mehrheit der befragten Krankenhäuser glaubt, dass die wirtschaftlichen Probleme über die nächsten Jahre weiter zunehmen werden. Für die Krankenhäuser kommt die Pandemie zur Unzeit. Wie unsere Untersuchung zeigt, müssen und wollen Deutschlands Klinikmanager/-innen eigentlich in die Zukunft investieren – in die überfällige Gebäudesanierung, in mehr Nachhaltigkeit, in eine krisenfeste IT-Infrastruktur. Im aktuellen Marktumfeld ist dies aber nur sehr eingeschränkt möglich. Liquiditätssicherung und Ergebnisverbesserung haben den Vorrang. 

 

Die Hauptbotschaft lautet: So angespannt wie aktuell war die wirtschaftliche Lage noch nie.

Natürlich kämpft die Krankenhauslandschaft seit geraumer Zeit mit einem äußerst schwierigen Marktumfeld. Die Covid-19-Krise hat die bestehenden Probleme aber deutlich verschärft und tiefe Löcher in die Bilanzen der Kliniken gerissen. Die Umsätze sinken, immer mehr Häuser rutschen in die Verlustzone ab. Aber damit nicht genug: Die überwältigende Mehrheit der befragten Krankenhäuser glaubt, dass die wirtschaftlichen Probleme über die nächsten Jahre weiter zunehmen werden. 

Für die Krankenhäuser kommt die Pandemie zur Unzeit. Wie unsere Untersuchung zeigt, müssen und wollen Deutschlands Klinikmanager/-innen eigentlich in die Zukunft investieren – in die überfällige Gebäudesanierung, in mehr Nachhaltigkeit, in eine krisenfeste IT-Infrastruktur. Im aktuellen Marktumfeld ist dies aber nur sehr eingeschränkt möglich. Liquiditätssicherung und Ergebnisverbesserung haben den Vorrang.

 

Schwierige Perspektive: Kränkenhauser erwarten eine Explosion der IT-Ausgaben in den nächsten drei Jahren.

Bei den IT-Ausgaben zeichnet sich ein dramatisches Bild ab. Sie steigen kontinuierlich. So hat sich beispielsweise der Anteil der Krankenhäuser, die über 2 Prozent ihres Umsatzes für die IT ausgeben, gegenüber 2017 mehr als verdreifacht. Notwendig wären aber noch höhere Budgets. Das Problem: Für eine grundlegende Transformation im IT-Bereich fehlen sowohl qualifiziertes Fachpersonal als auch finanzielle Ressourcen. Deshalb konzentrieren sich die Krankenhäuser aktuell hauptsächlich auf zwei Bereiche: die Erbringung von Basisaufgaben und die ausreichende Gewährleistung der IT-Sicherheit. Der grundlegende Umbau wird weiterhin häufig aufgeschoben. 

 

Der unterschätzte Gesundheitssektor: Treibhausgasemissionen im Vergleich mit anderen Sektoren

Unsere Umfrage verdeutlicht, dass sich immer mehr Kliniken dem Thema "Nachhaltigkeit" zuwenden. Eine beachtliche Zahl der Häuser hält Nachhaltigkeit für relevant. Gleichzeitig sind die befragten Klinikmanager/innen aber nicht in der Lage, dafür höhere Kosten in Kauf zu nehmen. Stattdessen sehen sie die Politik stärker unter Zugzwang. Diese muss aus Sicht der Kliniken neue Anreize schaffen, damit sich die Anstrengungen im Nachhaltigkeitsbereich auch betriebswirtschaftlich lohnen.

 

Unserer Einschätzung nach wird sich die Konsolidierung im Krankenhaussektor beschleunigen.

Je nach Ausgangslage des jeweiligen Krankenhauses gilt es, mögliche Konsequenzen und Handlungsoptionen zeitnah zu durchdenken. Muss sich ein Haus zum Beispiel der Realität rückläufiger stationärer Fallzahlen stellen und seine Strukturen entsprechend flexibilisieren? Könnten Kooperationen oder Fusionen die regionalen Versorgungsstrukturen stabilisieren? Oder müssen eine eventuelle Schließung umliegender Häuser und eine entsprechende Nachfrageverschiebung bereits jetzt in den strategischen Entscheidungen berücksichtigt werden? Krankenhäuser müssen sich immer stärker mit neuen Thematiken außerhalb der angestammten Aufgaben auseinandersetzen. Dazu zählen die Reaktion auf neue Gesetzesvorgaben und Personalmangel genauso wie die digitale Transformation. Um sie erfolgreich zu bewerkstelligen, bedarf es einer neuen Priorisierung und Ressourcenplanung. Genauso wichtig ist es aber, dass die Mitarbeiter vor Ort in ausreichendem Maß in das Change Management eingebunden werden.

 

Neben den vielfältigen wirtschaftlichen Herausforderungen können Nachhaltigkeitsanforderungen leicht in den Hintergrund geraten.

Aber: Der gesellschaftliche Konsens zeigt den hohen Stellenwert des Themas deutlich auf Nachhaltigkeit hat einen zunehmenden Einfluss auf die Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit. Letztlich wird auch die Politik den Gesundheitssektor durch Anreize und Vorgaben dabei unterstützen müssen, einen Beitrag zu den gesteckten Gesamtzielen zu leisten. Daher sollte jetzt damit begonnen werden, das Konzept der Nachhaltigkeit auch in Krankenhäusern zu verankern. Das beginnt bei der Optimierung des Energieverbrauchs, schließt aber auch die Zulieferer der Krankenhäuser mit ein. 

Durch die Covid-19-Pandemie hat sich die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser deutlich verschlechtert. Unsere Krankenhausstudie 2021 zeigt ganz klar: Noch nie waren die Komplexität und die Herausforderungen für Kliniken so groß wie heute. Um diesen begegnen zu können, empfehlen wir insbesondere die folgenden Maßnahmen.

 

Der Realität ins Auge blicken: vier Empfehlungen 

Projektstrukturen stärken

Krankenhäuser müssen sich immer stärker mit neuen Thematiken außerhalb der angestammten Aufgaben auseinandersetzen. Dazu zählen die Reaktion auf neue Gesetzesvorgaben und Personalmangel genauso wie die digitale Transformation. Um sie erfolgreich zu bewerkstelligen, bedarf es einer neuen Priorisierung und Ressourcenplanung. Genauso wichtig ist es aber, dass die Mitarbeiter vor Ort in ausreichendem Maß in das Change Management eingebunden werden. 

 

Auf weitere Konsolidierung vorbereiten

Unserer Einschätzung nach wird sich die Konsolidierung im Krankenhaussektor beschleunigen. Je nach Ausgangslage des jeweiligen Krankenhauses gilt es, mögliche Konsequenzen und Handlungsoptionen zeitnah zu durchdenken. Muss sich ein Haus zum Beispiel der Realität rückläufiger stationärer Fallzahlen stellen und seine Strukturen entsprechend flexibilisieren? Könnten Kooperationen oder Fusionen die regionalen Versorgungsstrukturen stabilisieren? Oder müssen eine eventuelle Schließung umliegender Häuser und eine entsprechende Nachfrageverschiebung bereits jetzt in den strategischen Entscheidungen berücksichtigt werden? 

 

Drohende Liquiditätsengpässe vermeiden

Viele Krankenhäuser haben in Bezug auf die vorausschauende Steuerung ihrer Liquidität Nachholbedarf. Gleichzeitig ist absehbar, dass die Liquidität vieler Krankenhäuser durch die Marktsituation und die Verlängerung der Zahlungsziele der Krankenkassen weiter unter Druck geraten wird. Geschäftsführer/-innen müssen sich auf diese Situation vorbereiten, um künftig über den nötigen finanziellen Spielraum zu verfügen. Dies sollte in sorgsam orchestrierter Zusammenarbeit mit den Trägern und (Investitions-)Banken erfolgen. 

 

Nachhaltigkeit ausreichenden Stellenwert einräumen

Neben den vielfältigen wirtschaftlichen Herausforderungen können Nachhaltigkeitsanforderungen leicht in den Hintergrund geraten. Aber: Der gesellschaftliche Konsens zeigt den hohen Stellenwert des Themas deutlich auf – Nachhaltigkeit hat einen zunehmenden Einfluss auf die Patientenund Mitarbeiterzufriedenheit. Letztlich wird auch die Politik den Gesundheitssektor durch Anreize und Vorgaben dabei unterstützen müssen, einen Beitrag zu den gesteckten Gesamtzielen zu leisten. Daher sollte jetzt damit begonnen werden, das Konzept der Nachhaltigkeit auch in Krankenhäusern zu verankern. Das beginnt bei der Optimierung des Energieverbrauchs, schließt aber auch die Zulieferer der Krankenhäuser mit ein.

 

Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2021, Herausgeber Roland Berger GmbH
Foto: Adobe Stock / Thaut Images

 


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