Health-IT Talk Berlin-Brandenburg: Mindset für Projektmanagement in der Krankenhaus-IT

HealthIT

Veröffentlicht 12.04.2022 03:40, Dagmar Finlayson

Projektmanagement und -organisation in der Krankenhaus-IT war Thema des Health-IT Talk Berlin-Brandenburg im April 2022. Im Blick stand, was war (und häufig noch ist) und das, was kommt (bzw. kommen muss). Den Blickkontakt zur Praxis stellte eine Klinik durch Faktoren für Erfolg und Misserfolg zur IT-Projektorganisation her. Ein Abriss über ein Vorgehensmodell zur Projektorgansation ließ Erfahrungen und Erkenntnisse anklingen. Eine große Herausforderung ist es, mit dem richtigen Mindset den Change im Griff zu behalten. Moderatoren waren Stefan Zorn und Marcus Beck, Health-IT Talk Berlin-Brandenburg.

von Wolf-Dietrich Lorenz

Veränderungen in den IT-Bereichen der Krankenhäuser erfordern ein Projektmanagement, das es bislang in den meisten Kliniken nicht in dieser Form gab. Nicht zuletzt sind es die KHZG-Projekte (auch wenn die meisten in ihrem Kern keine von der IT zu verantwortenden Projekte sind), die einen Wandel notwendig machen: Von der reaktiven zur proaktiven IT, von der "Supporttruppe" zu einer projektgetriebenen Organisation, markierte Stefan Zorn, Geschäftsführer imatics Health-IT Consulting GmbH, Perspektiven für Digitalisierung. Sie bedarf zusätzlicher nachhaltiger und dauerhafter Ressourcen. Treiber sind unter anderem KHZG-Projekte und Anforderungen an Sicherheit. Zugleich verändert sich die Wahrnehmung der IT-Abteilung vom Kostenfaktor zum Vermögenswert über den Business Partner hin zum Enabler und Innovator. Eine ganzheitliche digitale KHZG-Transformation stellt die Krankenhäuser vor große Herausforderungen,  besonders im Bereich des Projektmanagements. Hier baut sich Druck auf. Die Planung sieht vor, ab dem 01.01.2025 Strafen zu verhängen, wenn Krankenhäuser keine digitalen Dienste anbieten können.

Stefan Zorn, Geschäftsführer imatics Health-IT Consulting GmbH: „Von der reaktiven zur proaktiven IT, von der "Supporttruppe" zu einer projektgetriebenen Organisation.“

Christian Friedhoff, Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH, Leiter Digitalisierung und Technologie der Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH in Bochum (er war online zugeschaltet),  zeigte den Weg in der KHZG-Ära auf, den die Bochumer gehen, um das Projektmanagement in der IT-Organisation zu verankern. Zu den Merkpunkten gehören, den Stellenwert der IT zu steigern, die IT- und Digital-Strategie zu formulieren sowie die personelle Ausstattung und das Budget anzupassen.

Für Friedhoff ist Projektmanagement das Gegenteil von einem Abenteuer. Das bedeutet Planung vom Anfang bis zum Ende. Abwehr von ungewolltem Verhalten, Risikobetrachtung,  Ausfallmanagement, vorherige Definition des Ziels, Meilensteine, Projekt, Controlling und Berichtswesen.

Christian Friedhoff, Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH, Leiter Digitalisierung und Technologie der Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH in Bochum: “Projektmanagement das Gegenteil von einem Abenteuer.“

Vor allem wichtig ist für Friedhoff das Mindset der Beteiligten mit Blick auf die Erfordernisse der digitalen Transformation. Die Rolle der IT verändert sich: Sie konzipiert die technologische Basis für die Umsetzung der Projekte. IT implementiert die Technologie und betreibt die notwendige Technologie. Friedhoff betonte: „IT ist nicht der Projektmanager sondern für die technologischen Projekte zuständig.“

 

Abbildung: Erfolgsfaktoren für gelungenes Projektemanagement

Die Integration von digitalen Lösungen in neue, optimierte Krankenhaus-Prozesse fordert eine höhere digitale Affinität und ausgeprägte digitale Fähigkeiten von den Krankenhausmitarbeitern. Eine große Herausforderung ist es, den Change im Griff zu behalten.Unterstützung für die IT-Realisierung kommt in Bochum von klinischen Digitalisierungscoaches. Ihre Kernaufgabe ist die Unterstützung der Anwender aus Pflege, Ärzte und Therapie bei der Implementierung von IT-Systemen, die Betreuung im Klinikalltag als Ansprechpartner vor Ort. Sie sollen Probleme lösen, Ängste nehmen, Kritik ertragen und als Vermittler zur IT Abteilung fungieren. „Sie sind Experten aus den eigenen Reihen, denen man vertraut.“

Zu den internen Aufgaben sind ebenso externe Hemmschwellen zu bewältigen. Dazu zählen mit Auswirkungen auf die Kliniken für IT-Verantwortliche wie Friedhoff Probleme der Hersteller. Sie leben mit zu wenig Zeit und zu wenig Personal für die Kundenbetreuung. Ihren Systemen mangelt es an Interoperabilität ebenso wie an Data Informationsmanagement-Knowhow. Sie zeigen fehlendes Verständnis für ein neues Ökosystem.

Der Weg hin zur digitalen Transformation scheint kurvig. Einen möglichen Kompass für zügige Fahrt offerierte Marcus Beck, Geschäftsführer eHealth Business GmbH. Er stellt in einem kurzen Abriss das Vorgehensmodell TOR zur Projektorganisation vor. Kernpunkte sind Technik, Organisation und Rechte. Die Konzeptarbeit konturieren technisches Integrationskonzept, Fachkonzept, rechtliche Konzepte und Dokumentation sowie technisches Vernetzungskonzept.

Marcus Beck, Geschäftsführer eHealth Business GmbH: „Beim Vorgehensmodell TOR zur Projektorgansation sind die Kernpunkte: Technik, Organisation und Rechte.“


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12.9.2022    Innovationen aus der Region - Unternehmen stellen sich 2022 vor.

10.10.2022   Update zur Medizininformatik-Initiative

14.11.2022   DiGAs: Rückblick nach 2 Jahren


Health-IT Talk
Branchenprofis tauschen sich im monatlich stattfinden Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg verbands- und fachrichtungsübergreifend zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft aus. Die vier Partner ( IT-Branchenverband SIBB e.V., KH-IT Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V., BVMI – Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V., TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte Medizinische Forschung e.V., BVMI, KH-IT, SIBB, TMF) beschäftigen sich mit aktuellen Branchenthemen in Fachvortrag und Diskussion.

Informationen (Termine, Vorträge, Videomitschnitte): www.health-it-talk.de

 


Symbolbild: Pixabay/BiljaST

 


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