Vier besonders sichere Händchen: Kollege Leo schwingt schon zum 600. Mal das Skalpell

Robotik

Veröffentlicht 08.04.2022 06:50, Kim Wehrs

600 Operationen in knapp drei Jahren sind für einen Operateur ein stolzes Pensum. Dem Kollegen „Leo" des Bogenhausener OP-Teams hat dabei sicherlich geholfen, dass er vier Arme hat und ein Roboter ist. Offiziell heißt er „Da Vinci Xi", in Bogenhausen nennen den hochmodernen Roboter alle liebevoll beim Vornamen. Am 24. April 2019 hat er zum ersten Mal, und vor wenigen Wochen zum genau 600. Mal bei einem Eingriff in einem OP-Saal der München Klinik Bogenhausen assistiert – denn, auch nach hunderten Operationen bleibt „Leo" der Assistent am Skalpell. Er wirkt als „verlängerter Arm" des OP-Teams und macht mit seinen vier besonders ruhigen Händchen die Eingriffe noch schonender und sicherer als andere minimal-invasive Techniken. Stolz ist das Bogenhausener OP-Team inklusive „Leo" besonders darauf, dass die 600 Eingriffe größtenteils während der Corona-Pandemie stattfinden und damit eine wichtige Säule der Daseinsvorsorge für Krebspatienten durchgehend aufrechterhalten werden konnte.

 

Erweitertes Einsatzgebiet für „Leo": Mehr Patienten profitieren

Die München Klinik Bogenhausen verfügt über eine hohe operative Expertise und setzt bereits seit April 2019 in der Urologie mit dem „Da Vinci Xi" eines der modernsten roboterassistierten Operationssysteme auf dem Markt bei Patient*innen mit Prostata-, Nieren- oder Harnleiterleiden ein. Ein signifikanter Pluspunkt zeigt sich im urologischen Einsatzbereich gerade bei der Entfernung der Prostata: Gefürchtete Folgeschäden wie Inkontinenz oder Impotenz treten seltener auf und wichtige Lebensqualität bleibt öfter erhalten. Seit rund zwei Jahren profitieren auch weitere chirurgische Patient*innen in Bogenhausen vom roboterassistierten Verfahren: „Leo" hat sein Einsatzgebiet auf die Allgemein- und Viszeralchirurgie erweitert, was insbesondere Patient*innen mit komplexen Krebsleiden im Magen-Darm-Bereich, aber auch Patient*innen mit beispielsweise Reflux-Erkrankungen oder Leiden an der Bauchspeicheldrüse zugutekommt. Im Vergleich zu einer konventionellen Schnittoperation sind nur kleinste Schnitte notwendig. Deswegen ist die OP per Roboter für Patienten besonders schonend. Das zeigt sich in einer geringeren Blutungsgefahr, in einer schnelleren Wundheilung und besseren Kosmetik. Außerdem verkürzt sich die Regenerationszeit nach der Operation – die Patienten sind in der Regel schneller wieder auf den Beinen.

 

600 DaVinci-Operationen stehen für Daseinsvorsorge in der Pandemie

Von den 600 DaVinci-Operationen in der München Klinik Bogenhausen wurden rund 475 Operationen in den vergangenen zwei Jahren, und damit unter Pandemiebedingungen durchgeführt. Die operativen Teams rund um die Chefärzte PD Dr. Atiqullah Aziz (Urologie) und Prof. Ayman Agha (Allgemein- und Viszeralchirurgie) sind besonders stolz darauf, dass unter strengsten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen mit den roboterassistierten Eingriffen eine wichtige Säule der Daseinsvorsorge in der Pandemie durchgehend aufrechterhalten werden konnte. Während weniger dringliche Operationen, wie beispielsweise Steinleiden und andere gutartige Erkrankungen, in den Hochphasen der Pandemie verschoben und zwischen den Wellen nachgeholt werden mussten, konnten Krebspatienten und andere Patienten mit akutem Behandlungsbedarf weiterhin priorisiert versorgt werden. „Wir haben frühzeitig die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen geschaffen und sind eine wichtige Säule und Anlaufstelle für Krebspatienten und Patienten mit anderen akuten Leiden in der Pandemie. Es ist einem enormen Teameinsatz zu verdanken, dass wir unsere Patienten durchgehend sicher behandeln konnten und diese auch in der Pandemie von unserer langjährigen Erfahrung in der roboterassistierten Chirurgie profitieren können" so die beiden Chefärzte PD. Dr. Atiqullah Aziz (Urologie) und Prof. Ayman Agha (Allgemein- und Viszeralchirurgie).

 

Als von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziertes „Onkologisches Zentrum" versorgt die München Klinik Bogenhausen Tumorerkrankungen mit hoher Spezialisierung – die Klinik ist als eine der wenigen Kliniken in Deutschland für Krebserkrankungen in allen Bereichen des Magen-Darm-Traktes bis hin zur Speiseröhre zertifiziert und erhielt jüngst eine zusätzliche Zertifizierung als Prostatakrebszentrum.

 

So funktioniert eine roboterassistierte Operation per „Da Vinci Xi"

Wichtig zu wissen ist, dass nicht der Roboter den Eingriff durchführt, sondern der Operateur oder die Operateurin. Der Roboter wirkt als Assistent und ermöglicht es der Chirurg*in und dem OP-Team, mit vier Armen gleichzeitig zu Operieren. Jeder Handgriff lässt sich punktgenau steuern, die Instrumente können in jede Richtung abgewinkelt werden. Über den Bildschirm erhält die Operateur*in dabei eine maximale 3D-Ansicht des Körperinneren, was Nerven- und Gefäßstrukturen schont. Die roboterassistierte Chirurgie kombiniert damit das Beste aus beiden Welten: Eine minimal-invasive Operation mit nur minimalen Schnitten bei gleichzeitig voller Fingerfertigkeit einer offenen Operation. Zudem bietet das moderne Robotersystem eine sogenannte Bildintegration im endoskopischen Bild. Das heißt, es kann beispielsweise eine Ultraschall-Untersuchung oder MRT-Bild im endoskopischen Bild aufgebaut werden. Gerade in der Tumorchirurgie erhöht das die Präzision. Ein großer Vorteil der roboter-assistierten Chirurgie ist auch die Sicherheit, die zum einen durch die enorme Beweglichkeit und optimale Visualisierung erreicht wird. Zum anderen sind technische Möglichkeiten integriert, die beispielsweise die Prüfung der Darmdurchblutung nach Entfernung eines Abschnittes noch während der Operation ermöglichen – so kann der Chirurg die besten Voraussetzungen für die Darmverbindung evaluieren und schaffen. Ebenso kann der Operateur mit der „Firefly"-Technik bei der Nierentumorchirurgie evaluieren, welcher Abschnitt der Niere durchblutet, bevor der Nierentumor unter Erhaltung der Niere entfernt werden kann. Dies ermöglicht eine maximale Sicherheit für den Patienten im Sinne des Organerhaltes.

Doch nicht nur die Gesundheit der Patienten, sondern auch die des OP-Teams profitiert: Selbst mehrstündige Operationen lassen sich so in einer für die Operateur*in körperschonenden Haltung durchführen. Auch die OP-Pflegekräfte werden durch den zusätzlichen „Assistenten" in Form des Roboters entlastet. Sie wechseln während der Operation die Instrumente an den Greifarmen des Roboters und unterstützen, indem sie die Zugänge mit speziellen Instrumenten offenhalten. Mehr Informationen zur roboterassistierten Chirurgie in der München Klinik: www.muenchen-klinik.de/da-vinci


Bildnachweis: München Klinik.


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