Platform as a Service in der Gesundheitsbranche: Erste Hilfe für den unterschätzten Unterbau

Paas

Veröffentlicht 10.06.2022 03:10, Dagmar Finlayson

Naturgemäß wollen in der Gesundheitsbranche alle Beteiligten bestmögliche Behandlungsergebnisse erreichen. Entsprechend investieren Unternehmen und Organisationen hohe Geldsummen in die Weiterentwicklung ihrer medizinisch-technischen Ausrüstung, etwa hochmoderne Operationssäle oder Geräte aller Art.

Dagegen fristet der technologisch-administrative Unterbau jedoch häufig ein Schattendasein. Zu viele Institutionen verlassen sich heute bei der Verwaltung des Gesundheitswesens auf veraltete Ressourcenplanungssysteme, kurz ERP-Software. Bereiche wie Planung, Beschaffung, Bestandskontrolle, Finanzen oder auch das Personalwesen funktionieren so unter Umständen nicht wie gewünscht – und das kann nicht nur in Bezug auf wirtschaftliche Effizienz zu Problemen führen.

Platform as a Service

In den vergangenen Jahren sind in den unterschiedlichsten Branchen zahlreiche Geschäftsmodelle entstanden,­­­­­ die dem nachzueifern versuchen, was Amazon mit seiner Konzerntochter Amazon Web Services vormacht – Stichwort Platform as a Service, kurz PaaS. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Bereitstellung von ERP-Dienstleistungen über die Cloud, im Gegensatz zur üblichen festen Installation einer solchen Softwarelösung auf eigenen IT-Systemen. Mit all ihren Nachteilen: Nicht nur erfordert eine solche Infrastruktur einiges an Unterhaltungsaufwand, auch ist sie deutlich schwieriger gegen Angriffe von außen abzusichern. Zudem besteht die Gefahr, bei Updateversuchen auf eigene Faust das gesamte System lahmzulegen.

Um die Vorteile entsprechender Systeme voll ausschöpfen zu können, müssen Institutionen ihre Betriebsabläufe und Business-Support-Funktionen nahtlos verknüpfen. Denn: Durch die zentrale Bereitstellung aller Daten aus unter anderem Finanzwesen, Personalmanagement und Lieferkette profitiert die Organisation langfristig. Eine schnellere Entscheidungsfindung in Echtzeit, eine effizientere Ressourcenzuweisung und einer kontinuierliche Leistungsverbesserung in allen Bereichen der Organisation sind nur einige der Vorteile einer vernetzten Datenstruktur.

Klassische ERP-Systeme sind untauglich für Institutionen, die Plattformservices nutzen möchten. Meist läuft die Verwaltung kritischer ERP-Funktionen in Datensilos mit einseitig ausgerichteten Softwareprogrammen: Die Finanzabteilung erstellt das Hauptbuch, die Personalabteilung übernimmt das Talentmanagement und die Lieferkette kümmert sich um die Beschaffung – und so weiter. So fehlt traditionellen ERP-Lösungen die transformative Kraft, um die Nachfrage nach bedarfsgerechten, transparenten, erschwinglichen, bequemen und personalisierten Gesundheitsdienstleistungen zu erfüllen. Plattformbasierte ERP-Lösungen lassen sich dagegen in bestehende klinische Systeme integrieren, um bestmögliche Gesundheitsdienstleistungen zu erbringen.

Synergieeffekte nutzen

ERP-Systeme sollten eine strategische Ressource in Gesundheitssystemen sein. Durch die Bereitstellung breiter und tiefgreifender Funktionen können Gesundheitssysteme eine funktionale Konvergenz zwischen klinischen und geschäftlichen Aktivitäten schaffen. Damit wird dem Personal die Möglichkeit geboten, sich auf die Patientenversorgung zu konzentrieren, anstatt Inventurzählungen durchzuführen. Durch die Synchronisierung von Softwareplattformen und die Abschaffung oder Automatisierung veralteter manueller Prozesse werden Kapazitäten freigesetzt, die zur Patientenversorgung eingesetzt werden können. Dies gilt insbesondere da die Dominanz der klinischen Systeme oft dafür sorgt, dass alle anderen vernachlässigt werden. Der Status quo bietet noch viel Raum für Verbesserungen.

Die Möglichkeiten mittels aufeinander abgestimmter klinischer und geschäftlicher Plattformen bessere Ergebnisse zu erzielen, sind endlos, einschließlich:

  • Erstellung verständlicher und transparenter Behandlungspläne für Patienten und Angehörige
  • Senkung der Fluktuation von Klinikpersonal durch die Nutzung wissenschaftlich fundierter Risikoindikatoren und die Förderung eines kontinuierlichen Engagements der Fachkräfte
  • Anwendung von klinischen und betriebswirtschaftlichen Analysen zur Unterstützung einer ganzheitlichen Entscheidungsfindung in Echtzeit
  • Verringerung von Geräteausfallzeiten, Sicherung der Einnahmen und Verbesserung der Patientenerfahrung
  • Nutzung genauerer Kostendaten zur Unterstützung wertorientierter Verhandlungen mit Kostenträgern

Ein Ausblick

Die gute Nachricht ist, dass Institutionen im Gesundheitssystem diese leistungsstarken und konvergenten Fähigkeiten nicht allein entwickeln müssen. Sie können strategische Partner hinzuziehen, um ihre klinischen und geschäftlichen Plattformen zu verstärken. Indem sie sich auf die Ergebnisse konzentrieren und Fähigkeiten zusammenstellen, die durch interoperablen Datenaustausch miteinander verknüpft sind, sind sie in der Lage, ihren Patienten bessere und individuellere Dienstleistungen anzubieten.

Autor

Matthew Wilson, Senior Vice President Healthcare Strategy bei Infor

Quelle: Infor

Symbolbild: Pixabay/kiquebg


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