„Das Ziel ist es, zum ganz großen Player weltweit zu werden.“

Interview

Veröffentlicht 01.07.2020 02:20

Dedalus HealthCare sieht Chancen für Wachstum durch eigene und zugekaufte Entwicklungen

Mit der Übernahme von Agfa HealthCare durch die italienische Dedalus-Gruppe ist ein europäisches Schwergewicht entstanden. Über die Gründe für den Zuschlag und die Chancen des neuen Unternehmens sprachen wir mit Winfried Post, General Manager und Geschäftsführer Dedalus HealthCare DACH

Herr Post, warum hat am Ende Dedalus den Zuschlag bekommen?

Winfried Post: Es gab einen präzisen Auswahlprozess, der den sehr großen Interessentenkreis stark reduziert hat. Ein entscheidendes Kriterium war dabei sicher der Kaufpreis, aber auch andere Aspekte wie etwa die Übernahme von kartellrechtlichen Risiken waren prägend. Bei beidem hat sich die Dedalus-Gruppe sehr hervorgetan. Und so haben sich Aufsichtsrat und Vorstand von Agfa-Gevaert schnell für das Unternehmen entschieden.

Der Kaufpreis beträgt 975 Millionen Euro. Welches Volumen steht hinter der Akquisition?

W. Post: Wir bringen insgesamt 1.600 Mitarbeiter und 260 Millionen Euro Jahresumsatz in die neue Dedalus ein, dazu marktführende Lösungen, die dort bisher nicht vorhanden waren. So ist mit der Übernahme das größte Unternehmen der Branche entstanden, das 5.000 Krankenhäuser, 5.000 Labore und sehr viele niedergelassene Ärzte in Italien zu seinen Kunden zählt. Dedalus ist nun in über 30 Ländern weltweit vertreten – marktführend in Deutschland, Italien und Frankreich. Die neue Dedalus-Gruppe verzeichnet mit mehr als 3.500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 470 Millionen Euro in 2019.

Wie bewerten Sie jetzt aus Ihrer Sicht für den DACH-Markt die Entscheidung für Dedalus?

W. Post: Sehr positiv. Wir sehen große Chancen für die Zukunft, weil wir unser Geschäft nahtlos und sogar noch besser weiterführen können. Da Dedalus im DACH-Markt bisher nicht aktiv war, müssen wir keine Lösungen migrieren oder integrieren. Das erleichtert die Sache ungemein. Die Basis für Wachstum bilden unsere nunmehr 1.200 Entwickler. Sie sorgen maßgeblich dafür, dass wir unser Produktportfolio, das ja heute bereits das breiteste in allen Bereichen ist, weiter komplettieren. Davon werden unsere Kunden massiv profitieren.

Man sieht, dass Sie Ihr Team noch weiter verstärken.

W. Post: Das ist auch notwendig, da sich das Geschäft in diesem Jahr überaus positiv darstellt. Wir suchen beispielsweise Entwickler, um ein künftiges Wachstum wie beschrieben sicherzustellen.

Was geschieht mit den bestehenden Produktlinien?

W. Post: ORBIS, IMPAX das bald Teil von DeepUnity sein wird, HYDMedia, TIP HCe und Engage Suite bleiben bestehen und werden ergänzt – auch um Komponenten, die es heute bei Dedalus bereits gibt. Diese Konstellation ermöglicht es uns im Zusammenspiel mit dem großen Entwicklerpool, sehr schnell und eng an den Kundenanforderungen zu agieren.

Bleiben die handelnden Personen im DACH-Markt dieselben?

W. Post: Ja. Sowohl ich als Vorsitzender der Geschäftsführung und General Manager DACH, als auch die Geschäftsführer Michael Strüter und Dieter Nels machen genauso weiter wie bisher.

Welche Themen adressieren Sie mittel- und langfristig?

W. Post: Im Fokus stehen sicherlich die klinischen Applikationen in ORBIS. Gerade haben wir die Endoskopie-Lösung mit den hinterlegten Befundungsrichtlinien vollkommen neu aufgesetzt. Hinzu kommt eine neue onkologische Dokumentation, die wir in Richtung eines multidisziplinären Tumorboards, das über die Klinik hinausgeht, ausweiten wollen.
Aber auch die Diagnostik kommt nicht zu kurz. In der Radiologie etwa werden wir PACS, Universalarchiv, VNA und Dokumentenmanagementsystem zusammenführen. Die Anwender können dann über einen neuen Universal-Viewer mittels IHE-Profilen auf alle Daten aus allen Quellen zugreifen. Angereichert mit bereits vorhandenen Dedalus-Komponenten verfügen wir dann über eine wirklich starke und überzeugende Gesamtlösung, die ihresgleichen sucht.

Wie sieht die Wachstumsstrategie aus?

W. Post: In erster Linie wachsen wir organisch, und zwar jedes Jahr zwischen sechs und zehn Prozent in den letzten zehn Jahren. Gegenwärtig erleben wir eine richtige Lawine an Auftragseingängen, die es so noch nicht gab. Die Digitalisierung von Gesundheitseinrichtungen hat einen starken Schub bekommen, dessen Ende nicht absehbar ist. Das und unsere Lösungen – zusammen mit zufriedenen Kunden –
sind unsere Basis für Wachstum.
Nichtsdestotrotz beobachten wir den Markt mit wachen
Augen, machen uns Gedanken und schauen, was wann möglich und sinnvoll ist. Zuerst einmal konzentrieren wir uns auf die aktuelle Integration und das Management der Auswirkungen von COVID-19.

Dann eine abschließende Frage, Herr Post: Wo sehen Sie den Markt und Dedalus in fünf Jahren?

W. Post: Die Reise der Health-IT ist noch lange nicht zu Ende, das zeigen die aktuellen Entwicklungen. Ganz im Gegenteil: Das ist alles erst der Anfang - die Digitalisierung beschleunigt gerade. Für die nächsten fünf Jahre sehe ich deutlich steigende Budgets in den Krankenhäusern, die in IT investiert werden. Durch technologische Innovationen werden wir Dinge ermöglichen, die man vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Dedalus wird ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklungen sein. Wir sind Marktführer im Sektor der Klinik-IT in DACH und im niedergelassenen Bereich in Italien. Das Ziel ist es, zum ganz großen Player weltweit zu werden. In fünf Jahren sind wir auf diesem Weg bereits deutlich fortgeschritten. Der Branchen-Trend ist sehr positiv, der Technologie-Trend ist sehr positiv, die Finanzierung der Krankenhäuser, die ja sehr entscheidend für Investments in IT ist, wird gegeben sein. Das ist ein gutes Klima für das klare Commitment von Dedalus und den Anteilseignern, weiterhin organisch und anorganisch wachsen
zu wollen.

Weitere Informationen unter www.dedalusgroup.de