KIM wird das kommunikative Herzstück der Telematikinfrastruktur (TI)

KIM

Veröffentlicht 01.04.2021 01:00, Dagmar Finlayson

Nun wird die TI für alle Akteure konkret: Der tägliche Austausch zwischen Gesundheitsakteuren gelingt mit KIM (Kommunikation im Medizinwesen) deutlich einfacher. KIM ist ein hochsicherer Kommunikationsdienst, der mit dem bisherigen E-Mail-Programm des Nutzers verwendet wird. KIM wird für viele Akteure im Gesundheitswesen verpflichtend. So werden zukünftig zum Beispiel Arztbriefe und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit KIM versendet. Alle über KIM vernetzten medizinischen Akteure sind über das KIM-Adressbuch erreichbar. Der Versand der Informationen läuft abgesichert über die TI, also auf demselben Weg wie die Versicherungsstammdaten übertragen werden. Der Rollout der neuen TI-Fachanwendung KIM wird im ersten Quartal 2021 erwartet und soll im Dezember 2021 abgeschlossen sein. Wir haben darüber mit Jan Wemmel gesprochen, Bereichsleiter E-Health von Arvato Systems.

Frage: Mit Hochdruck bereitet Arvato Systems gegenwärtig den Rollout der neuen Fachanwendung KIM vor: Ein zertifizierter E-Mail-Client für TI-Nutzer, der erlaubt, sensible medizinische Daten von Befunden bis zur Abrechnung sicher zu versenden und empfangen. Herr Wemmel, was macht KIM so besonders?

Jan Wemmel: KIM wird künftig das einzige sichere Übermittlungsverfahren, das vergütet wird und gesetzlich verankert ist. Bei uns heißt KIM übrigens kim+, weil unser Produkt mehr kann als von der gematik vorgegeben. KIM ist der neue Standard für alle und ersetzt alte Kommunikationsdienste, aber auch das Fax. Postalisch verschickte Briefe oder CDs sollen dank KIM bald der Vergangenheit angehören. Anders als das alte System KOM-LE ist KIM für alle TI-Teilnehmer gedacht: etwa Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Apotheker. Aber die gesetzlichen Regelungen sehen explizit vor, dass auch die offiziellen Interessensvertretungen, wie KBV/KVen, KZBV/KZVen, GKV-SV/Kassen, ABDA und DKG integriert sind. So wird KIM das kommunikative Herzstück der TI.

Frage: Können Sie noch ein wenig ins Detail gehen – was macht KIM so wichtig für die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

Jan Wemmel: Wir werden in nächster Zeit einige neue Fachanwendungen kennenlernen, die in Zukunft eine essentielle Bedeutung haben. Aber auch wenn KIM vielleicht nicht so bekannt ist wie das E-Rezept oder die elektronische Patientenakte: Für die Akteure selbst ist KIM eine ganz zentrale Fachanwendung der TI. Denn endlich gibt es die sichere E-Mail, die im Alltag in Arztpraxen und Kliniken bislang gefehlt hat. Der Versand der Informationen läuft via KIM-Client und mit dem Konnektor über einen VPN-Tunnel - abgesichert über die TI. Dies funktioniert also auf demselben Weg wie auch die Versicherungsstammdaten übertragen werden. Mit dem digitalen Heilberufsausweis (eHBA) wird es darüber hinaus auch möglich sein, Dateien und Dokumente mit qualifizierter digitaler Signatur zu versenden.

Frage: Verschiedene Anbieter haben sich um die Zulassung als KIM-Dienstleister beworben. Auch Arvato Systems. Was zeichnet Ihren KIM-Service aus?

Jan Wemmel: Wir haben tatsächlich einen besonders leistungsfähigen, einfach zu installierenden KIM-Dienst entwickelt. Dabei haben wir zusätzliche Funktionen zur reibungslosen Nutzung eingebaut. Uns war wichtig, dass wir ein möglichst umfangreiches und gleichzeitig einfach zu bedienendes KIM-System entwickeln. Ein Kunden-Portal ermöglicht den Versorgungsdienstleistern vor Ort (DVO), KIM+ remote zu betreuen. In KIM implementiert sind für die Primärsystemhersteller und DVOs außerdem umfangreiche Schnittstellen zur Automatisierung von Registrierung, Installation, Betrieb und De-Registrierung von Anwendern.

Da wir gleichzeitig die Infrastruktur betreiben und Software für die TI entwickeln, kennen wir alle technischen Komponenten und Prozesse. Mit  Blick auf das aktuelle EUGH-Urteil zum Schutz von Userdaten möchte ich noch hinzufügen: Arvato Systems ist auch ein Anbieter der kim+ ausschließlich in Deutschland und in eigenen Rechenzentren betreibt.

 Jan Wemmel, Bereichsleiter E-Health bei Arvato Systems

KIM // Checkliste

Was Anwender für KIM benötigen:

  • Ein E-Mail-Programm oder ein Primärsystem (PVS) mit E-Mail-Funktion
  • Einen TI-Anschluss und KIM Fachdienst, zum Beispiel von Arvato Systems
  • Einen installierten KIM-Client von einem Anbieter mit gematik-Zulassung
  • einen Heilberufsausweis, eHBA (falls mit QES signiert wird)

 

 KIM-Rollout

Erste Anbieter, auch Arvato Systems, haben die Zertifizierung ihrer KIM-Fachanwendung erlangt. Der Rollout von KIM soll Ende des Jahres 2021 abgeschlossen sein.

Stand der Informationen: Februar 2021

 

Über den Autor

Jan Wemmel | Bereichsleiter E-Health bei Arvato Systems

Jan Wemmel studierte Nachrichtentechnik an der Fachhochschule Bremen und hält einen MBA der Cranfield Business School. Nach Stationen in England als Management- und IT-Berater bei Faber Maunsell, PwC und Pfizer, begann er seine Karriere bei Arvato innerhalb des Bertelsmann Konzerns. Hier verantwortete er die Akquise und den Betrieb von nationalen und internationalen Outsourcing-Verträgen. Seit 2011 leitet er die Geschäftsentwicklung für das Gesundheitswesen und die Öffentliche Hand bei Arvato Systems, dem IT-Spezialisten im Verbund der Bertelsmann-Tochter Arvato.

 

Quelle Text/Bilder: Arvato Systems


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